Region Steirisches Vulkanland 
Im Steirischen Vulkanland muss heute niemand mehr Vulkanausbrüche und Lavaströme befürchten. Auch Extrembergsteiger sind eher an der falschen Stelle. Das Vulkanland der österreichischen Steiermark ist vielmehr ein Ziel für Neugierige geworden, die sich über eine der faszinierendsten Landschaften Österreichs informieren wollen. Und die, ganz nebenbei, auch eine Leidenschaft für kulinarische Genüsse haben: Das Steirische Vulkanland ist ein Paradies für Weinkenner und Liebhaber regionaltypischer Köstlichkeiten.
Zwischen Radkersburg im Süden und Ottendorf im Norden, zwischen dem Westen um Schwarzau und dem Osten rund um Kapfenstein haben sich unzählige idyllische Gasthöfe, traumhafte Hotels, engagierte Weinbauern und Manufakturen erlesener Köstlichkeiten etabliert. Landschaft und Kulinarik verschmelzen hier zu einer Einheit. Die fruchtbaren Böden des Vulkanlandes bieten die optimalen Voraussetzungen für edle Weine, herausragende Obstbrände, die berühmten Steiermärker Öl-Kürbisse, einen schier unerschöpflichen Vorrat handverlesener Früchte und vieles, vieles mehr.Doch der Blick auf die einzigartige Landschaft, die ja erst die Möglichkeit für den Anbau so vieler Produkte schuf, sollte am Anfang einer jeden Reise durch das Vulkanland stehen. Der erste Krater entstand vor rund 17 Millionen Jahren in Bad Gleichenberg. Damals hatte sich gerade die afrikanische Kontinentalplatte unter die europäische geschoben, dieses Naturereignis hatte enorme Auswirkungen auf die geologischen Prozesse in weiten Teilen Europas. Wo heute die Wanderer „umherkraxeln“, erstreckte sich damals ein subtropisches Meer, in dessen Mitte sich der aktive Vulkankegel erhob. Zu bewundern sind mittlerweile allerdings nur noch verwitterte Reste des ursprünglichen Berges, allein die Spitzen des einst wohl imposanten Vulkans ragen noch sichtbar aus dem Boden auf.
Ausgebrochen sind aber auch die übrigen mehr als drei dutzend Vulkane im Steirischen Vulkanland schon lange nicht mehr. Viele von ihnen entstanden vor gut zwei Millionen Jahren, waren ein paar hunderttausend Jahre aktiv, bevor sie in eine bis heute andauernde Ruhephase fielen. Aus diesem Dornröschenschlaf könnten sie rein theoretisch auch wieder geweckt werden, ein erneuter Ausbruch ist nicht für alle Zukunft auszuschließen. Doch derzeit gibt es keinerlei geologische Hinweise auf neue Aktivitäten. Urlauber können sich beruhigt zu den Stätten des Vulkanismus aufmachen, die vielen Steinbrüche besichtigen, die unterschiedlichen Basaltarten studieren oder einfach nur die abwechslungsreiche Landschaft genießen.
Es ist verständlich, dass die Steirer dieser Region über Jahrtausende hinweg eine ganz eigene Kultur entwickelten. Vulkane beflügelten die Fantasie der Menschen, der Schatz an Legenden und Mythen ist im Vulkanland besonders groß, und die Rezepte von Kräuterweiber und Naturheilern wurden über Generationen hinweg weitergegeben. Von den Heilpflanzen ist es dann nur noch ein kurzer Weg hin zu den Küchenkräutern. Die kulinarischen Traditionen des Vulkanlandes besitzen Eigenständigkeit und sind durchaus verschieden von jenen der übrigen Steiermark. Mehlspeisen wie die berühmten Strudel, gekochtes Dörrobst und Festtagsspeisen wie Spagatkrapfen standen früher auf dem Speiseplan der Region, und eben solche Köstlichkeiten können die Besucher des Vulkanlandes noch heute in den Gasthäusern der Region bekommen. Viele Betriebe freilich machen sich daran, die alten Rezepte zu verfeinern und als leichtere Kost zu kredenzen. In den meist familiär geführten Buschenschenken und Gasthäusern, den Gourmetlokalen und Cafés werden heute unzählige Köstlichkeiten serviert, die überlieferte kulinarische Traditionen der Region aufnehmen. Kürbiskerne und Kürbiskernöl finden häufig Verwendung, frischer Bärlauch und Buchweizenmehl, Topfen oder Meerrettich, der hier schlicht Kren heißt, werden raffiniert angewandt.
Und weil zu einem guten Essen guter Wein nicht fehlen darf, machen sich immer mehr junge, engagierte Winzer daran, die mehr als 2000 Jahre alte Tradition des Weinbaus zu perfektionieren. Vor allem der Gewürztraminer aus der Gegend von Klöch hat längst internationales Renommee erlangt, aber auch Chardonnay, Muskateller, Sauvignon blanc oder Pinot gris profitieren von den fruchtbaren, mineralreichen Böden des Vulkanlandes. Auch die immer besser werdenden Rotweine der Region sind längst nicht mehr mit den berüchtigten, säuerlichen „Heckenkleschern“ der Vergangenheit zu vergleichen. Wein aus dem Steirischen Vulkanland ist heute ein ganz besonderes Erlebnis – wie die ganze Region!
Vulkanlandobmann und Landesabgeordneter Josef Ober fasst die Vorteile des Vulkanlands auf ganz einfache Weise zusammen: „Diese Region ist sich für Massenproduktion zu schade. Was hier wächst, hat Wert!“ Und das ist alles andere als eine Übertreibung, sondern nur eine selbstbewusste Zustandsbeschreibung des Steirischen Vulkanlands.
09.05.2006,


