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Steppenrind
Foto: BMLFUW/Rita Newman

Der Wandel der Landschaft

Schaf-, Schweine-, Pferde-, und vor allem aber Rinderherden waren im Seewinkel Jahr­hunderte lang nicht nur ein Wirtschaftszweig, sondern sie prägten auch die Landschaft, die für die Tier- und Pflanzenarten optimal waren. Die Tiere ließen nur wenige Sträucher oder Bäume aufkommen und gestalteten so einen Lebensraum, der zu den artenreichsten Gebieten Europas zählt.
 
Die Puszta, wie unsere ungarischen Nachbarn diese Landschaft nennen, war im 20. Jahr­hundert durch die Mechanisierung der Landwirtschaft dem Untergang geweiht. Auf höhergelegenen, trockenen Hutweideflächen wurden Acker- und Weinbauflächen angelegt. Die tieferen, feuchten Bereiche blieben meist einfach ungenutzt. Die Artenzusammensetzung der Pflanzen verlor rasch an Vielfalt. Bedrohte Vogelarten, die eine offene Landschaft als Lebensraum brauchen, mußten auf andere Gebiete ausweichen oder verschwanden ganz aus dem Seewinkel. Die vorher schilffreien Flächen be­gannen zuzuwachsen, weil kein Jungschilf mehr abgeweidet und keine Schilfrhizome durch den Vieh­tritt zerstört wurden. 
 
Flächenmanagement durch Beweidung 
Seit Gründung des grenzüberschreitenden Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel 1993 ist die Wiedereinführung der Beweidung eines der wichtigsten Instrumente des Flächen­manage­ments. In der Bewahrungszone Sandeck-Neudegg, die direkt an die Naturzone des National­parks anschließt, hatte sich durch die Nichtnutzung landseitig der Schilfgürtel ausgebreitet. In diesem Gebiet südlich von Apetlon und Illmitz weidet seit 1995 das Graue Steppenrind wieder. Ausgehend vom legenderen „Peda“, dem Stammvater aller unserer Steppenrinder, hält heute eine Herde von etwa 450 Stück, nach den Vorgaben der bio­logischen Landwirtschaft, das landseitige Schilf­wachstum hintan. Das Seevorgelände konnte von einem verschilften, mit Ölweiden bewachsenen Ödland wieder in eine Pusztalandschaft umgewandelt werden. Rechnet man noch die Landschafts­pflege, durch die Gewinnung des benötigten Winterheus dazu, stellt dieses Modell einen wichtigen Bestandteil in der gesamten Landschaftserhaltung im Nationalpark dar.
 
Neben dem bereits erwähnten Aspekt – Pflegemaßnahmen – demonstriert dieses Projekt wie kein zweites die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der ungarischen Nationalparkver­waltung. Die Herde auf österreichischer Seite weidet im seenahen Gebiet Richtung Süden, jene im ungarischen Teil Richtung Norden.

13.07.2007, Lebensministerium III/4