Waldviertler Kriecherl - Produkt

Fotocredit: GRÖ/Werner Krug
Kriecherlbäume
GRÖ/Werner Krug
Kriecherln (lat. Prunus insititia) gibt es in unseren Breiten seit ca. 6000 Jahren. Sie sind durch einen genetischen Zufall im mährisch – Weinviertler Raum entstanden. Das Kriecherl ist damit die einzige Obstart die in Österreich entstanden ist. Alle anderen Obstarten sind irgendwann eingewandert oder importiert worden.

Sie gehören somit zu den ältesten Kulturpflanzen mitteleuropäischen Ursprungs und der Ältesten im österreichischen Raum. Kriecherl in größeren Beständen gibt es heutzutage nur mehr in Ostösterreich.

Beim Leitprodukt der GenussRegion Waldviertler Kriecherl handelt es sich um die Kriecherlfrucht. Aktuell werden daraus folgende Erzeugnisse hergestellt:

  • Kriecherlmark
  • Kriechermarmelade
  • Kriecherlröster
  • Kriecherlnektar
  • Kriecherlsaft
  • Kriecherlsirup
  • Kriecherldestillat
  • Kriecherllikör premium pur (p.p.)
  • Kriecherllikör standart class (s.c.)
  • Kriecherlkletzen
  • Kriecherlschokolade
  • Kriecherlessig
  • Kriecherlchutney
  • Kriecherlwein
  • Kriecherlmost
  • Kriecherlkernöl 

Bei den Waldviertler Kriecherl handelt es sich im einen bunten Formenschwarm. In verschiedenen Gebieten und Höhenlagen haben sich die Kriecherl genetisch perfekt an die klimatischen Gegebenheiten angepasst.

Das Besondere am Waldviertler Kriecherl ist, dass es sie in einer solchen Formenvielfalt nur mehr im definierten Gebiet des Waldviertels gibt.

Das Kriecherl ist eine Wildobstart die nicht veredelt werden muss.

Sie sterben nicht plötzlich ab, sondern entwickeln bei zurückgehender Vitalität Jungtriebe aus dem Wurzelsystem. Dieses Phänomen wird „Wurzelbrut“ genannt und wenn nicht rechtzeitig dagegen vorgegangen wird, entwickeln sich dichte, vieltriebige Kriecherlgebüsche, die kaum noch beerntet werden können.

Fotocredit: GRÖ/Werner Krug
Ein Korb köstlicher Kriecherl
GRÖ/Werner Krug
Unter dem "Waldviertler Kriecherl" wird diese Wildobstform in der gelben Variation verstanden. Diese gelbe Variante ist eine genetische Fehlbildung/Sonderform. Ihr fehlt ein Gen und somit der blaue Farbstoff.

Vermutlich war dieses Kriecherl wegen des Fehlens des Farbstoffes in der Lage die kürzere Vegetationszeit in den Höhenlagen des Waldviertels besser zu nützen. Sie wurden einfach reifer als die blaue Variante.

Eben wegen des fehlenden Farbstoffes, sowie der Geologie, Klima und Höhenlage des Waldviertels spricht man vom "Waldviertler Kriecherl".

 

Die Typen:

Fotocredit: GRÖ/ Werner Krug
Waldviertler Kriecherl
GRÖ/ Werner Krug
Bei den Kriecherln kann man nicht von Sorten sprechen, eher von Typen, da der Übergang stets fließend ist. Einzigartig bei den Waldviertler Kriecherln ist die gelbe Farbe, die eigentlich aus der Farblosigkeit der Schale entstammt. Durch eine genetische Besonderheit fehlt die Farbe in der Schale der Früchten.

Das Erhaltungszentrum dieser bodenständiger Kleinpflaumen, wie man die Kriecherl auch ansprechen könnte, ist das zentrale Waldviertel. Von den zwanzig oder dreißig in Ostösterreich vorkommenden Formen dominiert hier eben diese grüngelbe, stark bereifte und kugelige Kriecherl-Sippe von ausgezeichnetem aromatischen Geschmack. Bei genauerem Hinsehen kann man zwischen den einzelnen Herkünften deutliche Unterschiede in Größe, Form oder Fruchtzeitpunkt erkennen.

Im Gegensatz zu den Äpfeln, wo eindeutig benannte Sorten mit klar umrissenen Eigenschaften existieren, ist die Sippschaft der gelben Kriecherl viel bunter.

Die Vermehrung der Kriecherl passierte seit Jahrhundeten über das Ausstechen von Wurzelbrut (100% genetisch ident) oder den Anbau von Kernen. Da das Kriecherl selbstfruchtbar ist, ist auch der neue Kriecherlbaum bei Kernanbau genetisch stabil, in hohem Maße dem Mutterbaum ident. Blaue Kriecherlbäume wurden ausgesondert.

Das Waldviertler Kriecherl ist daher keine einheitliche Sorte, sondern ein reicher Formenschwarm, der den Reichtum des Kulturpflanzenerbes repräsentiert.

 

Die Frucht:

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Waldviertler Kriecherl
GRÖ/Werner Krug
Die Kriecherlfrucht ist eine Steinfrucht. Die Frucht ist nicht steinlösend. Der Kern ist typisch spitz mit einer ausgeprägten Rückennaht und einem von der Rückennaht ausgehenden Fischgrätmuster.

Der Stengel ist etwa 1 bis 1,8 cm lang und rund und 1 bis 1,3 mm dick. Die Frucht hat eine kugelige, kirschähnliche Form, eine gelbe bis grünliche Farbe. Die Oberflächenschale ist glatt, matt und meist stark bereift.

 

Fruchtertrag:

Der Fruchtertrag setzt bei Kriecherl verhältnismäßig spät ein. Neugepflanzte Bäume können in den ersten 2 bis 3 Standjahren sogar ohne Fruchtansatz bleiben und sich in den ersten 3 bis 5 Jahren auf 0,5 bis 1,5 kg Frischgewicht steigern. Im Vollertrag, beginnend nach etwa 10 bis 12 Jahren können Erträge von 100 kg bis zu 150 kg geerntet werden.

 

Fruchtgewicht:

Das typische Fruchtgewicht der Wildform liegt im Bereich von 15 -25 Gramm.

Auch hier gibt es je nach Typ und Erntemenge große Unterschiede.

 

Steinkern:

Der Steinkern ist runzelig-grubig (oft erst nach dem Trocknen), weißt an der Rückennaht ein Fischgrätmuster auf und wirkt dadurch schartig. Ein frischer Kern hat meist eine hellbraune Farbe, ist beidseitig zugespitzt, mit einem spitzen und einem stumpfen Ende.

Je Witterung, Standort und Typ erstreckt sich die Reife der Waldviertler Kriecherl von Anfang August bis Mitte September. Die Frucht der Waldviertler Kriecherl ist dann reif, wenn sie bei Windstille vom Baum abfällt. Die Waldviertler Kriecherl wird nicht geschüttelt und nicht gepflückt. Nur so kann gewährleistet werden, dass ausschließlich vollreife Früchte zur Weiterverarbeitung verwendet werden.

 

Das Fruchtfleisch:

Das Fruchtfleisch hat eine gelb bis grünliche Farbe, wie die Schale selbst. Das Fruchtfleisch ist weicher als eine Zwetschke, da das Fruchtfleisch etwas mehr Wassergehalt besitzt. Unter Druck zerplatzt die Frucht förmlich.

Im Fruchtmark sind die feinen Fruchtfasern deutlich zu erkennen.

Da das Kriecherl eine völlig eigenständige Fruchtart ist, haben diese einen eigenständigen, unvergleichlichen Geschmack. Sie erinnern an Pflaumen, Zwetschken im Geschmack mit einer leichten Zitrusnote und einen ausgewogenen Säure-Zucker-Spiegel.