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GenussHelden Vorarlberg: Hier darf die Natur noch Chef sein

Fotocredit: Biohof Bickel
Lukas Bickel auf seinem Biohof
Biohof Bickel

GenussHelden Vorarlberg: Hier darf die Natur noch Chef sein
Der zweite Teil der Serie GenussHelden Vorarlberg: Es gibt Landwirte, die es mit viel Einsatz und einem wachen Blick über den Tellerrand schaffen, sich von dem Strudel der industrialisierten Landwirtschaft abzunabeln und mit einer, der Natur angepassten Landwirtschaft, erfolgreich und unabhängig zu wirtschaften. So auch Familie Bickel aus Blons im Großwalsertal. Viele Betreiber landwirtschaftlicher Betriebe – ganz besonders Milchbetriebe – klagen häufig darüber, von den Abnehmern abhängig zu sein, sich dem allgemeinen Preisdruck unterordnen zu müssen und sich in die Spirale der industrialisierten Landwirtschaft getrieben zu sehen. Der Biohof der Familie Bickel zeigt Möglichkeiten auf, dem entgegen zu wirken.



Der Milchbetrieb mit 18 bis 20 Kühen, wird von Lukas Bickel seit 2011 in dritter Generation geführt. Die Bickels bewirtschaften 28 Hektar Grünland, auf denen sie das gesamte Grundfutter für ihr Vieh selbst produzieren, denn „das Geheimnis guter Milch ist ganz klar die Futtergrundlage“, ist sich Lukas Bickel sicher. Nur für den Winter wird Bio-Kraftfutter zugekauft, das dem eigenen Heu beigemischt wird. Der Betrieb – seit 1995 als Bio-Betrieb geführt – erzeugt etwa 280 Liter beste Bio-Milch pro Tag. Während der Sommermonate geben die eigenen Kühe auf der Alpe Sera auf 1.600 Meter am Fuße der Löffelspitze etwa 18.000-20.000 Liter Milch. Gemeinsam mit den Tieren von vier weiteren Landwirten werden in der dortigen Gemeinschafts-Alpsennerei etwa 7,8 Tonnen Bergkäse aus insgesamt 75.000 Litern Milch hergestellt. Zur Verwertung der in der Gemeinschaftssennerei anfallenden Molke werden im Alpsommer zudem 25 Alpschweine gehalten.   

Fotocredit: Biohof Bickel
Das Familienhaus des Biohofs Bickel in voller Sommerpracht
Biohof Bickel
„Uns ist es wichtig, eine der Natur angepasste Landwirtschaft zu betreiben. Wer im Einklang mit der Natur wirtschaftet, erzeugt gesunde Lebensmittel und schafft Erholungsraum für unsere Mitmenschen“, erklärt Lukas Bickel die Betriebsphilosophie, die zugleich eine eigens auferlegte und für alle Betriebsbereiche verbindliche Verordnung ist.

Auf die Gesundheit der Kühe legt die Familie größten Wert. Deshalb halten die Bickels ausschließlich Kühe mit mittlerem Leistungsniveau, die jeden Sommer gealpt werden können und verzichten bewusst auf Hochleistungskühe. Die Tiere der Bickels sind zwischen 550 und 600 kg schwer und liefern etwa 20 Liter Milch pro Tag. Während die Kühe im Sommer etwa 90 bis 95 Tage auf den saftigen Alpwiesen rund um die Alpe Sera verbringen, haben die Tiere im Frühjahr und Herbst 8 bis 10 Stunden Weidegang pro Tag. Im Winter wird das Vieh im Laufstall gehalten.

Auch die bewirtschafteten Flächen werden so gut wie möglich geschont, indem höchstens drei Mal pro Jahr geheut und gedüngt wird.

Mit Bio-Heumilch zu mehr Unabhängigkeit

Fotocredit: Biohof Bickel
Die Milchkühre des Biohofs der Familie Bickel
Biohof Bickel
Im Winter wird die Milch über die Sennerei-Genossenschaft Thüringerberg vermarktet, bei der die Familie mit dem Produkt BIO Heumilch einen aktuellen Milchpreis von 58 Cent erzielt. Das sind stolze 17 Cent mehr als der aktuell durchschnittliche Milchpreis in Österreich.

Im Sommer vermarkten die Bickels etwa 600 kg des auf der Alpe erzeugten Bergkäses selbst ab Hof. Insgesamt werden 7,2 Tonnen Bergkäse von der Firma Emmi abgenommen. Die gesamte Butter wird von der Alpgemeinschaft selbst vermarktet.

„Lebensqualität bedeutet für uns, die eigene Verantwortung und die eigene Entscheidungsfreiheit zu haben“, erläutert Lukas Bickel und ergänzt: „Zwar müssen wir uns bei der Eigenvermarktung unserer Bio-Produkte selbst um die Kunden bemühen, können aber auch den Preis selbst bestimmen. Die Zusammenarbeit mit den Genossenschaften klappt gut und der Milchverkauf regelt sich sozusagen von selbst. Die Organisation in Genossenschaften ist eine tolle Sache, die viele Bauern meiner Meinung nach zu wenig schätzen“.

Bauern als Landschaftspfleger

Fotocredit: Biohof Bickel
Biohof der Familie Bickel aus Blons im Großwalsertal
Biohof Bickel
„Als Biobauern legen wir großen Wert auf ökologische Fragen“, erklärt Lukas’ Vater Ernst Bickel, der den Betrieb im Jahr 1979 von seinen Eltern übernahm und fügt hinzu: „Viele Kollegen fürchten die strengen Kriterien und Kontrollen, die für biologische Produkte gelten.“ Wer jedoch eine der Natur angepasste Landwirtschaft betreibe, sei ganz klar Landschaftspfleger und nur dann seien auch alle finanziellen Förderungen wie zum Beispiel die Prämie für das Alpen der Kühe in den Sommermonaten gerechtfertigt, so Ernst Bickel.

Bio als Überlebenschance

Obwohl die Bickels aus Überzeugung biologisch produzieren, ist der Umstieg von konventioneller auf Bio-Landwirtschaft laut Ernst Bickel auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit. „In meinen Augen können Bergbauern den Produktionswettstreit nicht überleben. Hier liegt die Chance klar in ökologisch nachhaltiger Bewirtschaftung, denn nur so lassen sich bessere Preise erzielen. Zudem ist eine konsequent ökologische Landschaftspflege essentiell für den Erhalt unsrer Kulturlandschaft, die so wichtig für den Tourismus ist, von dem letztendlich auch die Landwirte profitieren“.

Weitere Bilder

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Auch Schweine sind am Biohof Bickel anzutreffen
Biohof Bickel