Service

Kontakt

Verein GENUSS REGION ÖSTERREICH

Mooslackengasse 17, 1190 Wien
Tel.: 01 / 403 403 4
Fax: 01 / 230 603 119
office@gr-marketing.at

Was macht eigentlich das Vieh im Winter?

Fotocredit: GRÖ/Juliette Bendele
Die schneebedeckte Weide im Winter
GRÖ/Juliette Bendele

Denkt man an Sommer in den Bergen, so kommt einem als erstes das typische Bild von Kühen, die auf Bergwiesen grasen, in den Sinn. Im Winter jedoch sind diese Bergregionen angesichts von Schnee und Kälte kein geeigneter Lebensraum für die Tiere. Nur wenige Menschen wissen, wie die Almwirtschaft - auch Alpwirtschaft genannt - wirklich funktioniert und was der Jahreszyklus für diese Bewirtschaftungsform bedeutet. In diesem Artikel möchten wir das Prinzip der Almwirtschaft ihre Bedeutung für besonders hochwertige Lebensmittel erklären.

Fotocredit: Alpbachtal Seenland Tourismus
Alpbachtaler Heumilchkäse alle Sorten
Alpbachtal Seenland Tourismus
Im gesamten Alpenraum ist die Almwirtschaft eine uralte und noch heute wichtige Form der Viehwirtschaft, die große Teile der Bergregionen prägt und dem Rhythmus der Natur in besonderer Weise ausgesetzt ist. Jedes Jahr im Frühsommer, meist zu Pfingsten, werden die Kühe auf die satt grünen Bergwiesen auf die Almen getrieben. Dort genießen sie ihren “Sommerurlaub”. Die Hirten führen die Herden zunächst auf die untersten Wiesen. Sind diese abgefressen, geht es Stück für Stück weiter bergauf. Im Hochsommer, wenn die höchsten Bergwiesen erreicht und abgefressen sind, geht es Alm für Alm wieder zurück in Richtung Tal. Zwischen Mitte September und Mitte Oktober, wenn das Graswachstum nachlässt und sich die ersten Wintereinbrüche in den Hochlagen ankündigen, endet der Almsommer und das Vieh wird wieder ins Tal getrieben, um dort in den Stallungen der Bauernhöfe zu überwintern. Dieser Vorgang wird Almabtrieb oder Viehscheid genannt und meist mit großen Festen gefeiert.

 

Gab es im Alpsommer keine gröberen Unfälle bei Mensch oder Tier, wird die Herde beim Almabtrieb von einem Kranzrind angeführt. Dieses Tier trägt einen großen Kranz auf dem Kopf, der meist aus Alpenrosen, Latschenkiefer, Tannenzweigen, Gräsern, Blumen oder Silberdisteln gefertigt ist. Alle Kühe tragen Glocken, sogenannte Zugschellen, die der Abwehr von bösen Geistern dienen und dafür sorgen, dass sich das Vieh schneller bewegt und nicht dauernd zum Grasen innehält.

 

Bei der Almwirtschaft muss im Sommer für das Winterfutter gesorgt werden. In den Monaten, in denen das Vieh auf den oberen Almen grast, wird auf den Wiesen in Tallage sowie auf den mittleren Höhen das Almerheu geschnitten. An steilen Hängen erfolgt dies auch heute noch großteils von Hand. Häufig wird das Heu noch wie in alten Zeiten in Heuhütten gelagert und nach Bedarf dann im Winter als besonders wertvolles Zusatzfutter - damals mittels Hörnerschlitten und heute meist mit Traktoren - ins Tal zu den Höfen transportiert.

 

Doch warum dieser ganze Aufwand?

 

Die Almwirtschaft hat für die Landwirte viele Vorteile. Die Weideflächen im Tal sind häufig begrenzt und mithilfe der Almwirtschaft können auch die Höhenlagen genutzt und bewirtschaftet werden. In zunehmender Höhe wachsen zudem mehr Bergkräuter, die nicht nur enorm nahrhaft für das Vieh sind, sondern auch eine außergewöhnliche Qualität der Mich und des Fleisches ergeben. Der überwiegende Teil der Nordalpen und westlichen französischen Pyrenäen wäre ohne die Almwirtschaft bis auf etwa 1.500 Meter durchgehend bewaldet. Das Weidevieh hält die Almflächen waldfrei und fördert damit Pflanzengesellschaften, die ansonsten nur auf Sonderstandorten wie Felsköpfen oder in Lawinenstrichen vorkommen. Zudem sorgt das Vieh durch Ihr Gewicht und die Klauen für eine Verdichtung des Bodens sowie für eine Terrassenbildung, was Murenabgängen und Gerölllawinen vorbeugt.

 

Die ältesten Belege für die Existenz der Almwirtschaft stammen aus der Bronzezeit um 1700 bis 900 v. Chr. Heute gibt es in ganz Österreich etwa 12.000 bewirtschaftete Almen, auf denen von rund 70.000 Almbauern ca. 500.000 Stück Almvieh gehalten werden.

 

Während dem Almsommer wird das Milchvieh auf den Almhütten gemolken und die wertvolle Milch direkt vor Ort zu Käse - meist Bergkäse, aber auch Almkäse  oder Heumilchkäse verarbeitet. Vieh, das zur Fleischerzeugung dient, wächst während dieser Zeit kräftig und durch das Auf- und Absteigen wird es außerordentlich muskulös.

 

Eine Viehrasse, die in diesem Zusammenhang besonders heraussticht, ist das Tiroler Grauvieh. Hierbei handelt es sich um eine Zweinutzungsrasse, die schon seit Jahrhunderten in Tirol gehalten wird. Das bedeutet, dass diese Rasse gleichzeitig zur Milch-, als auch zur Fleischerzeugung genutzt werden kann. Zudem ist ist aufgrund seiner Robustheit und Widerstandsfähigkeit ideal für die Bewirtschaftung der extrem rauchen Tiroler Bergregionen geeignet. Rund 82 % der grauviehhaltenden Betriebe liegen auf einer Seehöhe von über 1.000 Metern. Das Fleisch vom Grauvieh hat eine gleichmäßige Marmorierung und eine sehr feine Fleischstruktur. Daher bleibt das typische Rindfleischaroma bei der Zubereitung besonders gut erhalten. Die Region Schmirn-Vals hat sich auf das Tiroler Grauvieh spezialisiert und ist als GenussRegion Tiroler Grauvieh ausgezeichnet. Nähere Informationen zu den Produzenten, Verarbeitern sowie zu den Bezugsquellen im Handel gibt es hier: Zum Grauvieh